Die großen Seen Nordamerikas

Die großen Seen Nordamerikas

Die Wolkenkratzer Chicagos, die ehemals höchsten der Welt, tauchen aus dem Wasser auf. Es ist schon ganz besonders, diese Stadt von seewärts anzusteuern. Die großen Seen Nordamerikas (Oberer See, Huronsee, Michigansee, Eriesee und Ontariosee) sind wie Süßwasser Ozeane, manchmal werden sie auch als Inland Ozeane benannt.

Sie bedecken die dreimalige Fläche Österreichs und beinhalten zwanzig Prozent allen Süßwassers in flüssiger Form. Ein Vergleich: Die Ostsee ist zwar um die Hälfte größer, hat aber nicht mehr Volumen und nur eine halb so lange Küstenlinie. In Volumen werden die fünf Seen nur vom tausendsechshundert Meter tiefen Baikalsee übertroffen. Dieser ist, seit fünfundzwanzig Millionen Jahren, der älteste See der Welt, die fünf nordamerikanischen Seen aber gibt es erst seit zehntausend Jahren: Sie sind durch Ausschürfungen von Gletschern der letzten Kaltzeit entstanden. Alleine im oberflächenmäßig größten Süßwasser-See der Welt, dem Oberen See, fast genauso groß wie Österreich, befinden sich zehn Prozent allen Oberflächen-Süßwassers unserer Erde. Wellen können eine Höhe von zehn Metern erreichen. Hunderte von Schiffen liegen auf seinem bis zu vierhundert Meter tiefen Grund. Hunderte von Flüssen münden in die Großen Seen, alleine dreihundert in den Oberen See. Theoretisch ist im Oberen See, dem Lake Superior, so viel Süßwasser enthalten, das Nord- und Südamerika, dreißig Zentimeter unter Wasser stehen würden, wenn sein Wasser „auslaufen“ würde.

Die Natur um die Seen herum ist fantastisch, vielfach durch Nationalparks geschützt und mit über achtzig Arten von Orchideen geschmückt. Es wachsen Nadel- und Laubwälder mit Ahornarten, wie dem Zucker-Ahorn, dessen Blätter im September und Oktober, gelb, orange und tiefrot leuchten. Hier wird mir die wahre Bedeutung des Indian Summers erklärt. Dies war keine schöne Zeit, sondern die Saison, wenn die Indianer im Schutz der Herbstnebel, die weißen Siedler und ihre Forts angegriffen haben, um sich das Land wiederzuholen, was ihnen geraubt wurde. Indian Summer war die Zeit des Krieges!

Dünen bei Traverse City

Durch die Gletschervorstöße aus dem Norden, sind am oberen Michigan See, riesige Dünen entstanden und gleich in der Nähe, liegt das größte Schattenmorellen-Anbaugebiet der Welt. Mit einem kleinen Schiff fahre ich zur Autofreien Mackinac Island. Hier lässt es sich herrlich wandern und die geologische Entstehungsgeschichte, durch viele Erklärungstafeln nachvollziehen. Ein paar Tage zu bleiben, ist mein amerikanischer Traumtipp.

Die Sicht im Wasser glasklar, siebzig Fischarten gibt es in den großen Seen, auch Störe und große Hechte und schmackhaft Speisefische wie Barsche, Saiblinge und Forellen. Das Wasser bleibt bei zwölf Grad allerdings auch im Sommer knackfrisch.

Große Städte wie Chicago, Toronto und Detroit liegen eher im Süden, kleinere Dörfer im Norden.

Auf der größten Süßwasserinsel der Welt, Manitoulin Island im Huronsee, leben drei Indianerstämme, die ich einige Male besuchte. (Kurioserweise erfüllten sich zwei von ihnen den Traum nach Machu Picchu zu reisen, dort trafen wir uns wieder). Touristen sind herzlich willkommen und es gibt verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten. Besonders im Juli zum Pow-Wow werden Traditionen, unter anderem mit Tanz und Gesang gepflegt.

Die meisten Touristen, kommen mit dem Flugzeug nach Chicago oder Toronto und mieten sich ein Auto. Die gesamte Umrundung aller fünf Seen, bei siebzehntausend Kilometern Küstenlinie, ist aber kaum in wenigen Wochen zu schaffen.

Wie kommt man aber nun mit einem Schiff aus Europa hierher? Wie können die Niagara Fälle umschifft werden?

Begegnung im Welland Kanal

Nur drei europäische Schiffe, zum Beispiel die Hanseatic inspiration von Hapag-Lloyd, sind so gebaut, dass sie durch den Wellandkanal passen. Dieser Kanal ist ein Schleusensystem von vierundvierzig Kilometer Länge, in dem alle Schiffe, hauptsächlich Frachtschiffe, um hundert Meter, auf das Niveau der Seen angehoben werden: Eine Meisterleistung amerikanischer Ingenieurskunst. Die Seen haben nur einen Abfluss, den Sankt-Lorenz-Strom, den drittgrößten Fluss Nordamerikas, an dem die Städte Montreal und Quebec liegen.

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Kai Schepp
Kai Schepp

Ich bin gebürtiger Hamburger. Reise seit 30 Jahren weltweit - alleine oder als Leiter exklusiver Natur-, Kultur- und Abenteuerreisen. In Asien habe ich 13 Jahre gelebt, davon sechs Jahre in den Ländern des Himalaya (Nepal, Indien, Bhutan, China). 12 Jahre war Südamerika mein Lebensmittelpunkt, sechs Jahre davon Peru.

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